Text & Bilder von Sven Herdt

Alle die noch mit der analogen Fotografie vertraut sind, kennen sie mit Sicherheit. Damals hatte man für alle möglichen Situationen Filter parat. Das Sortiment reichte von Farbfiltern über Weichzeichner bis hin zu Sternchenfilter. Heute werden viele dieser Filter durch die digitale Dunkelkammer ersetzt. So kann man anstatt Farbfilter einfach an den den Farbreglern Änderungen vornehmen. Dennoch gibt es noch immer eine Berechtigung für manche Filterarten ja für mich als Landschaftsfotograf sind sie ein sehr wichtiges Werkzeug. Den auch moderne Digitalkameras sind der Physik ausgeliefert und kommen an ihre technischen Grenzen. Es ist somit auch heute nicht alles durch die digitale Nachbearbeitung möglich. Möchte ich verträumte Bachbilder mit verschwommenen Wasser, sich bewegende Wolken, ausgeglichene Kontraste oder Nachtaufnahmen mit geringer Lichtverschmutzung benötige ich noch immer optische Filter. Fast keine meiner Landschaftsaufnahmen entsteht daher ohne den Einsatz von Filtern.

(In diesen Artikel werden Produktnamen genannt. Dies kann als Werbung betrachtet werden.)

In der digitalen Fotografie finden vorwiegend diese 4 unterschiedliche Arten von Filtern Verwendung:

  • Graufilter oder auch ND-Filter (Neutral Density) genannt.
  • Grauverlaufsfilter oder auch GND-Filter (Graduated Neutral Density) genannt.
  • Polarisationsfilter oder einfach kurz Polfilter genannt.
  • Nachtfilter mit unterschiedlichen Bezeichnungen so z.B Natural Night Filter von NiSi 

Bei den Grau- und Grauverlaufsfiltern gibt es unterschiedliche Stärken in der Dichte. Hierfür verwenden Hersteller wiederum unterschiedliche Bezeichnungen was es zu Beginn etwas kompliziert erscheinen lässt. Bei den meisten Herstellern kann man auf den Filtern die Dichte ablesen. Diese wird mit der Bezeichnung ND angegeben. Dabei hat jede Blendenstufe einen ND-Wert von 0,3. Ein Graufilter welcher die Belichtung um 3 Blendenstufen (8fache Zeit) verlängert hat somit eine Bezeichnung von ND0.9. Bei einen Filter mit 10 Blendenstufen (1000fache Zeit) lautet die Bezeichnung somit ND3.0. Sollte nicht die Bezeichung ND verwendet werden, wird häufig auch von den Blendenstufen oder demVerlängerungsfaktor gesprochen. Für manche Filter haben sich die Bezeichnungen des Herstellers LEE eingebürgert. So wird ein ND1.8 mit 6 Blendenstufen (64fache Zeit) auch häufig als Little Stopper bezeichnet oder ein ND3.0 als Big Stopper. 

 

Graufilter
Die einzige Aufgabe von Graufiltern besteht darin, das einfallende Licht zu reduzieren. Durch den Einsatz dieser Filter lassen sich somit längere Belichtungszeiten erreichen. Habe ich bereits den geringsten Iso-Wert gewählt und möchte meine Blende nicht weiter schließen aber trotzdem eine längere Belichtung erreichen kommen Graufilter zum Einsatz. Eine ideale Zeit ist Geschmackssache und Situationsabhängig. Je nach Stärke des Graufilters kann so auch tagsüber wenige Sekunden aber auch mehrere Minuten belichtet werden. Graufilter sollten dabei möglichst Farbneutral sein. Je Stärker das Filter ist, desto schwieriger ist für die Hersteller dies auch zu erreichen. So hat man bei Filtern mit 10 Blendenstufen meist einen Farbstich. Man sollte daher immer im RAW-Format fotografieren. Bei den meisten Filtern kann man diesen Farbstich über den Weißabgleich in der digitalen Bildbearbeitung ausgleichen. Die wichtigsten Graufilter sind in meinen Augen der ND0.9, ND1.8 sowie der ND3.0. Mit dieser Kombination ist man sehr gut aufgestellt und für fast alle Situationen gerüstet. Beim Einsatz von sehr starken Graufiltern wie z.B einen BigStopper hat die Kamera häufig Schwierigkeiten die Belichtung zu messen oder auch scharf zu stellen. Hierbei rate ich zu manueller Belichtungseinstellung sowie manuelle Schärfe. Für die Einstellung der Schärfe nehme ich den Filterhalter ab und wechsle nun in die Lupenansicht meiner Kamera. Bei einer 10fach Vergrößerung kann ich nun gut die Schärfe einstellen. Für die Belichtungseinstellung mache ich eine Probeaufnahme ohne den Graufilter. Die restlichen Filter sollen jedoch bereits aufgesetzt sein. Nun kontrolliere ich das Histogramm und versuche ein möglichst gut Belichtetes Bild zu erhalten. Sollte die Belichtung nicht korrekt sein erstelle ich eine weitere Probeaufnahme. Sobald ich eine korrekt belichtete Aufnahme habe muss ich mir klar machen welche Belichtungszeit ich in etwa erreichen möchte. Je nach gewünschter Belichtungszeit muss ich natürlich unterschiedliche Filter verwenden.  Ich persönlich Verwende zur Ermittlung der neuen Belichtungszeit ganz gerne diese Tabelle. Es ist jedoch auch möglich eine APP wie etwa Photopills zu verwenden oder es selbst zu berechnen. Starke Graufilter besitzen einen Gummirand um kein Licht an der Seite durch zu lassen. Diese Graufilter kommen immer an den ersten Steckplatz aus der Sicht des Objektives. Hierbei ist die Abdichtung zum Objektiv gerichtet. Bei langen Belichtungszeiten sollte man ebenfalls darauf achten, dass der optische Sucher abgedeckt wird. Ansonsten ist es möglich unschöne Flairs oder Farbflecke durch Lichteinfall zu erhalten. Auch verwenden viele Fotografen ein schwarzes Tuch welches sie um den Filterhalter geben um weiteren Lichteinfall zu vermeiden. 

Unbearbeitete Bilder…. Links wurde mit Hilfe eines Graufilters die Zeit verlängert. Das rechte Foto entstand mit einer “normalen” Belichtungszeit.

 

Selbes Foto nach der Bearbeitung in Lightroom. EXIF: Canon 5dmarkIV – 16-35mm f4 bei 22mm – f11 – 4 Sekunden

Polfilter
Der Polarisationsfilter kurz Polfilter genannt hilft uns unerwünschte nichtmetallische Reflexe zu entfernen. Der Filter besteht aus zwei einzelnen Scheiben. Das vordere Filterglas kann an der Kamera zum Einstellen gedreht werden. Es sollte immer in Uhrzeigersinn gedreht werden um zu vermeiden, dass man versehentlich den Filter abdreht. Je nachdem wie weit ich drehe kann ich Reflexe stark oder weniger stark entfernen. Ich muss die Spiegelungen auch nicht immer komplett aus der Landschaft entfernen. Manchmal kann es natürlicher wirken wenn man noch eine leichte Spiegelung übrig lässt. Reflexe und Spiegelungen kommen in der Natur überall vor. Ein typisches Beispiel sind so z.B feuchte Steine. Sind Steine trocken fehlt ihnen Farbe aber bei feuchten Wetter oder am Strand kommt ihre intensive und schöne Farbe zum Vorschein. Doch entstehen hierdurch meist auch unerwünschte Spiegelungen. Bei richtigen Einsatz des Polfilters kann ich diese nun entfernen und es bleiben die intensiven Farben der Steine übrig. Weitere Einsatzbereiche sind z.b Wasseroberflächen, Fotografie im Wald oder aber auch im Makrobereich. Wenn man einmal Pflanzen genau betrachtet, haben sie immer eine Spiegelung auf den Blättern. Erst mit Hilfe des Polfilters kann man grüne Blätter wirklich in satten Grün fotografieren. Der Polfilter arbeitet am besten, wenn der Einfallwinkel der  Sonne 90 Grad zur Kamera steht. Also wundert euch nicht wenn bei einen Sonnenaufgang mit Blickrichtung zur Sonne kaum etwas zu erkennen ist. Bei der Fotografie mit Weitwinkel und blauen Himmel ist Vorsicht geboten. Der Polfilter wirkt nur in einen bestimmten Winkel und kann bei einem Weitwinkelobjektiv nicht das komplette Bild abdecken. Wenn ich nun bei blauen Himmel fotografiere wird nur ein teil im Himmel polarisiert. So entsteht ein rundlicher dunkelblauer Bereich im Bild. Dies wirkt meist unnatürlich und störend. Bei allen anderen Aufnahmen kommt es mit dem Weitwinkelobjektiv im Normalfall nicht zu störenden Erscheinungen. Lieber ist in einen Wald z.B. nur ein Teil entspiegelt als gar nichts. Wichtig ist auch, dass man den Polfilter an jeden neuen Standpunkt auch wieder neu einstellt. Da durch eine Änderung des Winkels zur Sonne die letzte Einstellung nicht mehr richtig ist. Viele Anfänger haben zu Beginn oft Probleme die Auswirkungen direkt vor Ort zu erkennen wenn man nicht weiß auf was man achten muss. Doch sobald man einmal seinen Blick dafür geschärft hat geht es nie wieder ohne Polfilter auf eine Fototour. Der Polfilter unterscheidet sich je nach Hersteller. Bei Lee hat man einen großen Filter vorne aufgeschraubt. Bei Haida und Nisi z.B wird er in den Filterhalter eingeschraubt. Mich persönlich hat das System von Kase überzeugt. Man hat einen magnetischen Filter der in den Filterhalter gesetzt wird und auch von außen gedreht werden kann.

Bilder wurden nicht bearbeitet. Das Linke Bild wurde ohne Filter aufgenommen. Beim rechten Foto setzte ich einen Polfilter ein. Man sieht ziemlich deutlich wie der Filter die Spiegelung im Wasser reduziert und dadurch Farbe im Vordergrund zum Vorschein kommt.

 

Auch im Wald ist der Polfilter sehr hilfreich. Wenn man die Farne links und rechts vergleicht sieht man einen enormen Unterschied.

 

Nachtfilter
Nachtfilter sind noch nicht sehr lange auf den Fotomarkt. Sie sollen die Lichtverschmutzung der Umgebung auf den Bild reduzieren. Hierfür filtern sie gelbe und orange Anteile aus dem Spektrum heraus. Das Ergebnis ist eine Nachtaufnahme mit natürlichen Farben. Durch das wegnehmen dieser Anteile wird das Licht jedoch reduziert. Wir haben somit eine Einbuße von ca. einer 2/3 Blende je nach Hersteller. 

Bevor man nun los geht um Filter zu kaufen sollte man sich vorher klar werden ob man herkömmliche runde Schraubfilter verwenden möchte oder ein eckiges Stecksystem. Der Vorteil von Schraubfiltern ist zum einen der geringere Preis, die Größe und die Möglichkeit mit Sonnenblende zu fotografieren. Doch aus meiner Erfahrung ist man schnell vom vielen schrauben genervt und verzichtet sogar dadurch des öfteren auf den Einsatz von Filtern. Auch kann es vorkommen, dass runde Filter aneinander verhaken und man bekommt sie nicht mehr auseinander. Bei runden Grauverlaufsfiltern ist im Voraus sogar die Bildkomposition vorgegeben, da man sie nicht vertikal verschieben kann. Auch wenn ein Stecksystem zu  Beginn eine größere Investition bedeutet hat es einige Vorteile gegenüber den Schraubfiltern. 

Stecksystem
Wenn man sich intensiv mit der Landschaftsfotografie beschäftigt wird man wahrscheinlich  irgendwann in ein Stecksystem investieren. Man kann mit so einen System schneller und genauer Arbeiten. Ebenfalls ist man flexibler und spart sich das große Schrauben. Bitte kauft nicht die günstigsten Filter. Manche Billighersteller haben häufig extreme Farbstiche und somit kauft man meist doppelt. Hersteller welche ich empfehlen kann sind u.a. Kase, NiSi, Haida oder Lee. Die Stecksysteme gibt es in zwei verschiedenen breiten. Filter mit einer Breite von 100mm sind wohl die gängigste Art und mit fast allen Objektiven bis zu 16mm kompatibel. Kommt man in einen Weitwinkelbereich unter 16mm muss man häufig auf das 150mm System zurück greifen. Diese Größe ist jedoch etwas unhandlich und es ist schwieriger die Filter sauber zu halten. 

Ein Stecksystem besteht aus unterschiedlichen Teilen. Zuerst wird ein Adapterring an das Objektiv geschraubt.  Dieser Adapterring muss den selben Durchmesser wie das Objektiv aufweisen. Man sollte für jedes Objektiv einen eigenen Adapterring besitzen. So muss man diese nur einmalig aufschrauben. Manche Hersteller haben auch Schutzkappen für die Adapterringe. So hat man einen Schutz für die Frontlinse seines Objektives bei aufgeschraubten Adapterring. Von manchen Herstellern gibt es ebenfalls extra dünne Adapterringe für den gebrauch von Weitwinkelobjektiven um eine Vignettierung zu vermeiden. Darauf ist beim Kauf unbedingt zu achten. Den man sollte das ganze System so dünn wie möglich halten. An den Adapterring kann nun der Filterhalter angebracht werden. Der Filterhalter hat Steckplätze für die rechteckigen Filter. Ich bevorzuge hierbei 2 Steckplätze. So kann ich einen Verlaufsfilter sowie einen Graufilter benutzen. Bei 3 Steckplätzen kommt es bei 16mm bereits zu einer starken Vignettierung. Für gewölbte Weitwinkelobjektive gibt es häufig spezielle Filterhalter. Hierfür muss man sich beim jeweiligen Objektivhersteller infomieren. Ist der Adapterring aufgeschraubt und der Filterhalter aufgesteckt fehlen natürlich nich die Filter.  Diese werden von oben nach unten in die Schienen eingesteckt. 

Die Tabelle dürft ihr euch gerne downloaden. Sie eignet sich zum ausdrucken und laminieren. Somit habt ihr immer den benötigten Verlängerungsfaktor für die Langzeitbelichtung mit dabei!

 

Vorgehensweise bei Langzeitbelichtungen

  • Suche mit der Kamera in der Hand den perfekten Standpunkt und Bildkomposition
  • Baue genau hier dein Stativ samt Kamera auf
  • Suche dir deinen gewünschten Bildausschnitt mit Stativ
  • Stelle deine manuelle Schärfe mit Hilfe der Lupe ein 
  • Vermeide unscharfe Bilder durch abschalten des Bildstabilisators am Stativ, benuten eines Fernauslöser oder Selbstauslöser sowie fotografieren im Live View oder mit Spiegelvorauslösung.
  • Erstelle eine korrekt belichtete Aufnahme mit richtig eingestellten Grauverlaufsfilter und/ oder Polfilter jedoch ohne Graufilter.
  • Verwende deine Tabelle oder App um die neue Belichtungszeit zu ermittlen.
  • Stecke deinen Graufilter in den Filterhalter. 
  • Stelle deine Kamera auf Bulb bei Belichtungen von mehr als 30 Sekunden.
  • Übernehme im Bulb Modus deine vorherige Blende sowie Iso
  • Stelle im Fernauslöser die neue Berlichtungszeit ein.
  • Achte darauf, dass kein Streulicht auf den Sensor tritt. (richtiges Einsetzen des Graufilters, abdecken des Sucher oder Arbeiten im Live View.
  • Löse aus
  • Genieße die Zeit während die Kamera belichtet
  • Kontrolliere deine Aufnahme mit Hilfe des Histogramms sowie die Schärfe.
  • Sollte etwas nicht gelungen sein passe deine Einstellungen an und versuche es erneut.

 

Wenn ich euch nun überzeugt habe mit Filter zu fotografieren und ihr euch welche kaufen möchtet, habe ich hier einen Link für euch zu Kase.