Text & Bilder von Sven Herdt

Pia Steen – Naturfotografin

Pia Steen, geb. 1980 in München, ist im schönen Voralpenland des Chiemgaus aufgewachsen Somit verwundert es nicht, dass die Natur schon seit ihrer Kindheit ein großer Bestandteil ihres Lebens war. Pias große Leidenschaft gilt der Landschaftsfotografie. Doch auch Tier- und Makrofotografie gehören zu ihren Gebiet. Neben der Technik ist es Pia vor allem wichtig beim Betrachter Emotionen zu wecken und ihre Sicht auf die Welt näher zu bringen.

4NP: Vielen lieben Dank Pia, dass du dir etwas Zeit nimmst für dieses Interview. Magst du uns ein wenig davon erzählen, wie du zur Naturfotografie gekommen bist? Seit wann beschäftigst du dich mit der Fotografie, wie hat alles bei dir begonnen?
Pia: Ich wohne im bayerischen Voralpenland, dem wunderschönen Chiemgau. Ich liebe diese Gegend Bayerns mit seinen Seen und Bergen einfach. Ich bin in fünf Minuten am See und in 20 Minuten in den Bergen. Für mich als Bergfreak ist das einfach wunderbar. Ich glaube ich bin ein Spätzünder in der Fotografie. Ich habe immer schon gerne fotografiert, aber eher geknipst als echt fotografiert. Als ich in etwa 2009 meine erste Spiegelreflexkamera bekommen habe, war es aber um mich geschehen. Ich war fasziniert von der Technik und was man mit ihr alles machen kann. Also habe ich angefangen viel zu lesen und einige Fotokurse zu besuchen. Je mehr ich die Technik dahinter verstand und je besser ich mit der Kamera umgehen konnte umso mehr Spaß machte es mir. Mittlerweile kann ich ohne Kamera nicht mehr leben und habe sie immer dabei. Seit 2012 fotografiere ich professionell und habe mich mittlerweile damit selbstständig gemacht.

4NP: Die meisten Frauen findet man ja in anderen Bereichen der Fotografie. Was findest du genau in der Naturfotografie so reizend?
Pia: Ich liebe es einfach in der Natur zu sein. Selbst, wenn ich die Kamera nicht dabeihabe, bin ich einfach gerne draußen. Ob beim Wandern oder Mountainbiken, ich sauge die Natur gerade zu in mich auf. Ich erlebe dort so viele unglaublich schöne Momente. Ob eine klare Nacht unter dem funkelnden Sternenhimmel oder ein Morgen im mystischen Nebelwald…jede Stimmung hat ihren eigenen Reiz. Diese Momente mit der Kamera einfangen zu können ist ein Geschenk. Ich schaue mir gerne meine Bilder von vor einigen Jahren an und befinde mich emotional sofort wieder in diesem Augenblick. Dafür nehme ich auch gerne die Strapazen auf mich, die so mancher Sonnenaufgang in den Bergen mit sich bringt. Bereits nachts um 2 Uhr die Gipfel bei eisiger Kälte zu stürmen ist zugegeben nicht immer ein Spaß. 

4NP: Früher war dein Schwerpunkt wohl vermehrt die Pflanzenfotografie und Landschaftsfotografie. Genau wie bei mir zieht es dich aber immer häufiger auch zu den Tieren. Was ist dein Grund hierfür?
Pia: Die Landschaftsfotografie wird immer mein Steckenpferd bleiben. Aber ich liebe Tiere natürlich auch. Ob das scheue Reh, das flink über die Wiese trabt oder der kleine Vogel, der fröhlich ein Lied von seinem Ast trällert. Ich wollte mich mal in der Tierfotografie versuchen, da man ja sehr viele tolle Bilder von anderen Fotografen bestaunen kann. Und ich wollte mal was Neues ausprobieren. Landschaft ist unglaublich spaßig, aber Tiere zu fotografieren nochmal eine ganz andere Herausforderung. Man weiß nie was sie als Nächstes machen oder ob sie sich überhaupt zeigen. Und witzig ist es natürlich auch. Sie erzählen ihre ganz eigenen kleinen Geschichten wie eine tragische Liebesgeschichte zum Beispiel, die ich letztes Jahr bei den Bienenfressern erlebt habe. Ein kleines Männchen brachte seiner Angebeteten eine Libelle nach der nächsten, um ihre Gunst zu erwerben. Er mühte sich so sehr ab und sein fragender Blick nach jeder Übergabe, ob er denn nun mal ran an die Federn durfte, war absolut genial! Aber nix da! Er holte Libelle um Libelle. Die letzte Libelle wollte sie schon nicht mehr nehmen und ihr Blick sagte eigentlich alles: „Du…lass mal stecken…ich denke, das wird nix mit uns…wir können ja Freunde bleiben.“ Aber er bot sie ihr so lange an, bis sie sie schließlich nahm…und dann davonflog…Seinen: „Hä?? Wasn jetzt los?!“ – Blick werde ich nie vergessen! Er flog wieder los und besorgte eine Biene. Er saß mindestens noch 20 Minuten auf dem Ast mit der Biene im Schnabel und schaute suchend in der Luft nach seiner Angebeteten. Aber seine Liebste kam nicht mehr. Ich musste so lachen und zeitgleich tat er mir wirklich leid. Ich hoffe, er hat mittlerweile seine große Liebe gefunden.

 

4NP: Du bist ja für große Marken Botschafterin. Wie kommst du dazu? Kannst du unseren Lesern ein paar Tipps geben wie man da vor geht?
Pia: Ich denke, es ist wichtig, dass man authentisch bleibt und zu sich und seiner Ausrüstung steht. Wir leben in einer schnellen und wechselhaften Welt. Ein Bild wird einige Sekunden angeschaut, dann verschwindet es der Bilderflut des Internets. Gerade im Zeitalter der sogenannten Influencer leidet auch die Markentreue. Ständig kommen neue Produkte raus und was heute hip ist, ist morgen grundlos wieder out. Zudem wollen viele Leute nur kostenlos Zeug abgreifen. Dann gibt es zwei bis drei Instagramposts dazu und zwei Wochen später werden die „Influencer“ mit einem anderen Konkurrenzprodukt gesehen. Das geht gar nicht. Es ist wichtig, dass man zu den Produkten steht. Schließlich fällt es am Enden negativ auf einen selbst zurück, wenn man Quatsch empfiehlt, nur um ein paar Gratisartikel zu bekommen. Andersrum hingegen, sollte man sich auch von den Herstellern nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Einige Firmen haben bei Ambassadoren-Programmen absolut unfaire Verträge, wovon ich Abstand nehme. Dinge wie: Du bewertest unser Produkt gut und machst Werbung und dafür darfst du es behalten. Wenn du was dran kritisierst musst es zurückgeben. Oder, dass ich als Ambassador für mehrere tausend Euro Ware abnehmen und verkaufen muss. Das geht gar nicht. Ich bin Fotografin, kein Fachhändler. So etwas unterschreibe ich nicht. Erst recht nicht, wenn ich das Produkt noch gar nicht kenne. Es sollte ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe sein.

4NP: Du hast ja bereits jahrelange Erfahrung in der Naturfotografie. Was wären deine wichtigsten Tipps wenn gerade jemand damit beginnt?
Pia: Habt Spaß! Denn ich glaube, nur wenn man Spaß an etwas hat, kann man auch gut darin sein. Lasst euch nicht von dem einen oder anderen missglückten Bild oder faden Sonnenaufgang entmutigen. Genießt die Natur in all ihren Facetten, auch wenn es mal mit dem Foto nicht klappt. Seid mit dem Herzen dabei, denn nur ein Weg mit Herz, ist ein richtiger Weg. Wendet euren Blick auch mal in die „andere Richtung“, fern ab der bekannten Fotospots. Schaut um die Ecke und bleibt neugierig. Es ist genial, was man dann alles entdecken kann.

4NP: Welche Projekte sind in nächster Zeit bei dir geplant? Magst du uns verraten auf welche Bilder wir uns freuen dürfen?
Pia: Im August und November geht es für mich in die Schweiz, Steinwild fotografieren. Im September fliege ich nach Norwegen, in der Hoffnung schon Polarlichter sehen zu können und im Oktober geht es dann in die Dolomiten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie in den Dolomiten war… Ihr dürft euch also auf bunte Polarlichter, wilde Tiere und hoffentlich atemberaubende Lichtstimmungen in den herbstlichen Dolomiten freuen!


4NP: Vielen Dank Pia für das interessante Interview. Wir wünschen dir weiterhin gutes Licht und wunderbare Erlebnisse in der Natur!
Pia: Vielen lieben Dank! Das wünsche ich euch auch. Es war mir eine Freude, euch dieses Interview zu geben!

 

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