Text & Bilder von Sven Herdt

 Viele Menschen träumen von einer Reise nach Island. Es ruft in unserer Phantasie Abenteuer, Wildnis und Abgeschiedenheit hervor.  Vor allem bei Landschaftsfotografen steht dieses Land häufig an erster Stelle und dies zu recht.  Es heißt es sei das Land aus Feuer und Eis. Mit seiner abwechslungsreichen und atemberaubenden Natur zieht es immer mehr Menschen in den Bann. Vor allem seit dem Jahr 2010. Nach der großen Eruption des Eyjafjallajökull welcher den Flugverkehr Europas lahm legte, sah die Welt gespannt auf die kleine Insel. Nun vergeht kaum noch eine Woche ohne einen Fernsehbricht über dieses magische Land. Dann folgte die Fussball EM. Ja und jede Woche kann man wohl eine Fernsehsendung über dieses magische Land bewundern. Viel Aufmerksamkeit bedeutet jedoch auch immer mehr Touristen.  Diese Entwicklung konnte ich die letzten Jahre erschreckend mitverfolgen. Doch von dem Traum Island sollte man sich deshalb nicht abhalten lassen. Gewusst wie gibt es noch immer diese Phantasievorstellung eines wilden Landes, in dem jeder Tag ein neues Abenteuer birgt! Ich habe häufig die größten Attraktionen für mich ganz alleine oder teile sie nur mit Freunden. Es ist möglich stundenlang ohne andere Menschen zu fotografieren oder einfach nur dieses magische Land mit ihrer Landschaft und den wilden Tieren abgelegen genießen….

Beginnen wir aber nun ganz zu Beginn. Als erstes erfolgt die Reiseplanung. Bevor man einen Flug bucht, muss man sich natürlich entscheiden zu welcher Zeit die Insel besucht wird. Island ist ganzjährig einen Aufenthalt wert und man kann wohl von jeder Jahreszeit beeindruckende Bilder mit nach Hause nehmen. Wobei sich manche Monate besser eignen als andere. Die Hauptreisezeit ist der Juli und  August. Jetzt tummeln sich am meisten Menschen auf der Insel. Ich persönlich habe den späten Juni  und Anfang Juli zu schätzen gelernt. Wenn man durch das Land fährt, sieht man nun überall riesige Felder der Lupinie. Diese Pflanze ist eigentlich nicht heimisch und breitete sich die letzten Jahre immer mehr aus. Die Lupinie liebt den kargen humusarmen Boden des Landes. Somit herrschen ideale Bedingungen. Riesige Felder überziehen ganze Landstriche. Diese machen sich hervorragend auf Bildern und bieten einen perfekten farbigen Vordergrund bei Landschaftsaufnahmen. Auch ist Ende Juni die Zeit der Mitternachtssonne. Die Sonne verschwindet nur kurz hinter dem Horizont um dann auch schon wieder zu erscheinen.  Ganz langsam bewegt sich der Planet auf den Horizont zu und hüllt die Landschaft in ein stimmungsvolles Licht. Es kommt einen so vor, als bewege sich die Sonne in Zeitlupe. Dies bedeutet für uns Fotografen, dass wir bei geeigneten Witterungsverhältnissen über Stunden mit perfektem Licht fotografieren können. Die Einstellungen an der Kamera können dadurch in aller Ruhe und ohne Druck vorgenommen werden. Verschiedene Blickwinkel sind möglich. Es ist sogar vorstellbar, an mehreren Orten den gleichen Sonnenuntergang  fotografisch fest zu halten oder einfach auch nur zu genießen und die Kamera auch kurz bei Seite zu legen. Dies machen Fotografen, meiner Meinung nach, sowieso viel zu wenig. Einfach mal die Seele baumeln lassen, die Landschaft in sich aufnehmen durchatmen. Danach gelingen meist bessere Fotos als zuvor und man reist nicht nur mit dem Sucher vor dem Auge durch ein Land.  Im späten September beginnt dann auch bereits die Saison der Nordlichter. Viele Nächte werden die nächsten Monate kommen, an denen Aurora für uns am Himmel tanzt. Noch den ersten Nordlichtern folgt auch der Winter.  

Eine der unvergesslichen Nächte. Mit meinen Workshop hatten wir über Stunden farbige Wolken von orange bis dunkles rot. Das Beste dazu, zu dieser Tageszeit sind kaum Menschen unterwegs und man hat Plätze wie diesen manchmal sogar noch immer alleine! EXIF: 5dmarkIV – 16mm – f16 – 88Sek. – ISO100 – Graufilter – Grauverlaufsfilter

 Doch bleiben wir nun weiter in der warmen Jahreszeit. Eine weitere Überlegung im Vorfeld ist natürlich auch die Region, welche man bereisen möchte. Viele Leute versuchen in nur wenigen Tagen die ganze Insel zu umrunden und sitzen dann die meiste Zeit hinter dem Steuer. Für eine Umrundung sollten mindestens 2-3 Wochen eingeplant werden und wenn möglich noch mehr. Fehlt diese Zeit, ist es wohl viel sinnvoller sich auf einzelne Gebiete zu reduzieren. So spürt man auch wirklich die Natur des Landes, als wenn man nur im Eilverfahren alles abfährt. Hat es einen gefallen, kann man sich schließlich für den nächsten Besuch eine weitere Region als Ziel vornehmen. Der Süden des Landes zieht die meisten Touristen an. Hier hat man viele große und abwechslungsreiche  Naturschauspiele auf nur wenigen Kilometern. Die riesigen Wasserfälle wie der Skògafoss oder die Gletscherlagune Jökulsàrlòn sind ohne Probleme über die gut ausgebaute Ringstraße zu erreichen.

Der Süden ist durch die Ringstrasse einfach zu bereisen. Viele der Fotopunkte sind daher sehr einfach zugänglich. Dieser Berg befindet sich z.B direkt neben der Strasse. EXIF 5dmarkIV – HDR aus 3 Aufnahmen 8Sek. – 15 Sek. – und 30 Sek. – Graufilter, Polfilter, Grauverlaufsfilter

 

So wie auch die meisten der anderen Plätze des Südens. Man benötigt somit kein teures 4x4 angetriebenes Auto. Durch diese einfache Art des Reisens kommen viele Menschen in den Süden und tummeln sich während des Tages, privat oder mit organisierten Touren, an den bekannten Fotospots. Dies bedeutet für mich als Fotograf, dass ich während der Sommermonate im Süden bei guten Witterungsverhältnissen bevorzugt nachts unterwegs bin. Wenn man beispielsweise die Gletscherlagune tagsüber anfährt, wird man enttäuscht weiter fahren. Zu viele Menschen und das Licht ist während des Tages nicht optimal. 

Nach 20:00 Uhr werden die Touristen stetig weniger bis zur perfekten Fotozeit nur noch wenige Fotografen vor Ort sind. Canon 5dmarkiii – 16mm – f16 – 2Sek. ISO 100 + Graufilter und Grauverlaufsfilter

Ist der Tag jedoch vorüber und die meisten Touristen bereits im Hotel beim Abendessen, wandelt sich der Anblick. Es ist nur noch eine Hand voll begeisterter Naturliebhaber und Fotografen unterwegs. Die Sonne senkt sich ganz langsam immer weiter und man teilt bekannte Plätze mit wenigen Leuten. Wenn es noch immer zufiele Leute sind dann komm um 2:00 Uhr am Morgen nochmal zurück!

Seit nicht zu sehr auf die bekannten Bilder im Internet fixiert. Es gibt auch geniale Fotomöglichkeiten neben den Highlights. EXIF 5dmarkiii – 16mm – f16 – 30Sek. – Graufilter + Polfilter + Grauverlaufsfilter

Plätze wie diese kann man immer anfahren. Egal welche Tageszeit man wird kaum Menschen begegnen. Diese „Geheimtipps“ benötigen jedoch etwas mehr Recherche im Vorfeld und auch etwas mehr Zeit vor Ort um sie überhaupt zu entdecken. Doch die Mühe zahlt sich aus, man wird mit einzigartiger Natur und Bildern von weniger bekannten Plätzen belohnt. Ich persönlich schaue mir gerne Bilder einheimischer Fotografen an. So fand ich z.B. auch dieses weniger bekannte Geothermalgebiet nicht weit entfernt des Flughafens. 

Ein Geothermalfeld nicht weit entfernt des Flughafens. Außer mir gab es noch Fussspuren einer einzigen Person im Untergrund. EXIF 5dmarkiii – 16mm- f16 – 3Sek. – ISO100 + Grauverlaufsfilter

Gehen wir weiter in den Osten. Dieser ist noch nicht sehr erschlossen und viele Leute fahren einfach auf kürzesten Weg durch die Landschaft. Doch Fotomöglichkeiten bieten sich auch hier etliche. Ich liebe es die Fjorde rein und raus zu fahren und auf die richtige Stimmung zu warten. Bei geeigneten Lichtverhältnissen ist dann auch häufig ein geeignetes Motiv gefunden. Mein bevorzugter Fjord im Osten des Landes ist Borgafjördur Eyestri. Hier ist der Sitz der isländischen Elfenkönigin. Dies sagt wohl schon einiges über die Schönheit der Landschaft aus. Aber auch Papageientaucher lassen sich in der Nähe des Hafens aus nächster Nähe beobachten. Diese Vögel haben in Island große Schwierigkeiten ihre Brut lebend durch den Sommer zu bringen. Der Klimawandel und die Überfischung setzen ihnen ziemlich zu. An vielen Kolonien finden sie nicht mehr die benötigten Sandaale für die Aufzucht der Jungen. Doch in Borgafjördur bringen sie noch volle Schnäbel dieser durchsichtigen Tiere aus dem Meer zurück und sorgen so für Nachwuchs.

In dieser Nacht im Fjord bei Borgafjördur herrschten Orkanartige Bedingungen. So musste ich etliche Aufnahmen  versuchen um am Ende auch ein scharfes Foto zu bekommen. Canon 5dmarkiii – 26mm – f16 – 2Sek. ISO200 + Grauverlaufsfilter

Der Norden des Landes ist nochmals extrem Kontrastreich. Rund um den Myvàtn (Mückensee) wimmelt es nur so von Fotospots. Man findet gewaltige Wasserfälle und dampfende Geothermalgebiete. Falls man die Gegend um den Dettifoss besucht, Europas mächtigsten Wasserfall, darf man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen um zum nahegelegenen Sellfoss weiter zu wandern. Für Vogelfotografen ist der Myvàtn ein Paradies.  An den Ufern tummelt sich eine enorme Artenvielfalt. Aber auch beeindruckende, abgelegene und unbekannte Berg- und Küstenlandschaften warten darauf entdeckt zu werden. Man muss hierfür nur die Ringstraße verlassen und selbst auf Entdeckungsreise gehen. Ihr werdet bestimmt belohnt werden wenn ihr Gegenden wie Trollskagi auf eigene Faust erkundet.

Stundenlang genoss ich vor wenigen Jahren während der Nacht die beiden Wasserfälle Sellfoss und Dettifoss ganz allein. Dieses Selfie mit Funkauslöser zeigt mich am Sellfoss auf der Ostseite. EXIF 5dmarkiii – f16 – 2Sek. – 58mm

Meine bevorzugte Region liegt jedoch tief im Westen. Die Westfjorde ragen wie eine Hand von der Hauptinsel heraus. Wild und einsam liegen sie im Nordatlantik. Von der Ringstraße unbeachtet, führt diese einfach daran vorbei. Durch die zerklüfteten Fjorde benötigt man auch mehr Zeit um vorwärts zu kommen. Diese Fakten hindern viele Touristen daran, die Westfjorde zu bereisen. Genau diese Argumente machen sie für mich so reizvoll. Man fühlt sich wirklich auf Entdeckungsreise. Die Straßen sind an vielen Stellen noch nicht gut ausgebaut, was das Ganze noch sympathischer für mich macht. Große Highlights gibt es nur wenige in den Westfjorden. Zu erwähnen wäre Dynjandi ein wirklich riesiger Wasserfall. Aber meiner Meinung nach, sind die Fjorde selbst die größte Attraktion. Teilweise stürzen Steilklippen mehrere hundert Meter ins Meer hinab. So z.B. auch in Làtrabjarg. Für die Isländer der westlichste Punkt Europas. Nur zu gern werden von ihnen die Azoren vergessen. Das Übertreiben, um ihr Land noch gewaltiger darstellen zu lassen, beherrschen die Einheimischen sowieso seit Kindesalter.  Ob nun westlichster Punkt oder nicht, Làtrabjarg ist jedenfalls ein Muss sollte man die Westfjorde besuchen. Am Rand der Steilklippen tummeln sich Papageientaucher, Tordalke und Eissturmvögel. Aus sehr geringer Entfernung lassen  sich die Vögel im Schein der Abendsonne hervorragend fotografieren. Viele Touristen fahren tagsüber wieder enttäuscht ab, da sie nur ein oder zwei Papageientaucher erblickt haben. Ich komme gerne ab 20:00 Uhr an die Klippen. Dann wird das Licht besser für die Fotografie und die Vögel kommen wieder vom Meer an die Klippen zurück. Nun beginnt das große Treffen… 😉

In den Westfjorden gibt es weniger große Attraktionen. Doch genau das gefällt mir. Etwas suchen, alleine Orte genießen und die Natur ablichten. EXIF 5dmarkIV – 12mm – 1/13Sek. – Grauverlaufsfilter + HDR

 Ein weiteres lohnenswertes Ziel für Tierfotografen ist Hornstrandir, im Norden der Westfjorde. In diesem Nationalpark gelangt man nur durch eine Fähre. Autos gibt es ebenso wenig wie Hotels. Dafür eine große Population Polarfüchse! Im Gegensatz zu den restlichen Teilen Islands werden diese hier nicht bejagt und haben sich somit an die Menschen gewöhnen können. Während des Sommers kann man dadurch regelrecht über eine Schar junger und furchtloser Füchse stolpern.
Zuletzt wäre noch das Hochland zu erwähnen. Dieser Teil befindet sich im Zentrum der Insel. Normalerweise öffnen die ersten F-Straßen (Schotterpisten) am 15 Juni. Doch es kommt immer wieder vor, dass große Teile erst später zu befahren sind oder sogar ein Jahr komplett unpassierbar sein können. Je nachdem wie lange sich der Winter in den Bergen hält kann sich also die Fahrt in das Hochland hinauszögern.. Im Hochland kann man entweder mit einen 4x4 angetriebenen Fahrzeug abenteuerliche Straßen mit Flussüberquerungen unternehmen oder Islands schönste Wanderrouten zu Fuß erkunden. So ist z.B. die Gegend rund um Landmannalauga wie aus einem Traum. Bunte Gesteine und keine Bäume, so weit das Auge reicht. Dies macht für uns Mitteleuropäer diese Landschaft wohl sehr ungewöhnlich und dadurch extrem reizvoll. Ich habe nun schon viele Länder weltweit bereist, doch ähnliche Landschaften konnte ich bisher nirgends entdecken. Auch wenn es am Campingplatz ziemlich voll erscheinen mag, gibt es einige Wanderungen in dieser Gegend, bei denen man kaum Menschen begegnen wird.

Rund um Landmannalauga gibt es einzigartige Wanderungen. Wenn man nicht gerade den bekannten Laugavegur geht, ist man häufig alleine unterwegs und begegnet über Stunden niemanden. EXIF 5dmarkiii – 50mm – 1/250Sek. – f11

 

Sollte man sich für ein Mietauto entscheiden, ist es wichtig klar zu stellen ob das Hochland im Versicherungsschutz mit inbegriffen ist. Falls nicht lasst lieber die Reifen von den Schotterpisten durch das Hochland und deren Flüsse. Dies könnte ansonsten sehr teuer werden. Auch ist noch darauf hin zu weisen, dass man aus Naturschutzgründen keinesfalls die Pisten verlassen darf. Die Spuren im Sand können mehrere Jahrzehnte zu sehen sein. Der Boden sowie die Vegetation im Hochland ist wirklich sehr empfindlich!

Doch egal für welche Region ihr euch nun entscheidet, einen Camper kann ich überall nur schwerstens empfehlen. Man ist flexibler und nicht auf Hotels angewiesen. Spontanität funktioniert leider in Island immer weniger. Die meisten Unterkünfte sind über Monate im Voraus ausgebucht. Also warum nicht im Auto schlafen?! Es gibt für mich nichts Schöneres als an Plätzen wie der Gletscherlagune nach einem langen Fotoabend ins Bett zu gehen, um am nächsten Tag, umgeben von riesigen Eisbrocken, zu frühstücken. Wie vorher bereits erwähnt,  kann man mit eigenem Auto eben auch zu den besten Zeiten fotografieren und kommt auch an abgelegene Plätze. Ein weiterer großer Vorteil der Ungebundenheit ist es auch, seine Pläne den Witterungsbedingungen an zu passen. Die letzten Jahre kam es immer wieder vor, dass es in einigen Teilen nur geregnet hat, während die anderen Teile Islands mit Sonne gesegnet waren. Warum dann nicht kurzerhand Pläne verwerfen und dem Regen entgehen. Tauscht Dauerregen und Kälte gegen warme Sonnenstrahlen. Ein eigenes Auto lohnt sich! 

Ich hoffe, dass ich euch nun ein paar nützliche Infos geben konnte.  Genießt dieses wunderbare Land und macht gute Fotos. Entgeht den vielen Touristen und ihr werdet so wie ich vom Islandvirus infiziert werden. Das Land ist noch immer das, was es auch vor 10 Jahren war, einfach nur magisch…

Falls ihr euch für Island interessiert aber keinen geeigneten Reisepartner habt oder auch tiefer in die Landschaftsfotografie einsteigen möchtet, besucht doch meine Seite svenherdt.com. Ich bin im Sommer 2019 wieder vor Ort und biete 2 Touren an. Hierfür gibt es auch noch freie Plätze. Ich freue mich von euch zu hören 😉