Die Rhön – das Land der offenen Fernen. Dieses ca. 1500 Quadratkilometer große Mittelgebirge befindet sich zwischen den Bundesländern Bayern, Thüringen und Hessen und lockt Fotografen mit ihrem herben Charakter sowie abwechslungsreichen Motiven an. Seit Jahren besuche ich diese Region regelmäßig und möchte hier einige ausgewählte Fotolocations vorstellen.

Text & Bilder von Stefan Imig

 

Allgemeines

Graue und dichte Wolken, starker Wind, die Sichtweite stellenweise unter 100m und der in diesem Moment stattfindende Sonnenaufgang lässt sich noch nicht einmal erahnen. Mist. Dafür bin ich um 4.00Uhr aufgestanden, ins Naturschutzgebiet „Lange Rhön“ gefahren und zu einem blühenden Feld des Langblättrigen Weidenröschens gewandert? Naja, immerhin gute Bedingungen, um am Disbach noch ein paar Aufnahmen zu machen. Doch dann: plötzlich hebt sich die Wolkendecke,  die Sonne bricht über den sanften Hügeln der Rhön hervor und die abertausend Weideröschen glühen im Gegenlicht. Selten zuvor habe ich ein solches Farbenspektakel beobachten und fotografieren können wie an diesem Morgen im späten Juli.

Das Aushängeschild der Rhön ist mit Sicherheit die Wasserkuppe. Von diesem 950m hohen Berg bietet sich ein grandioser Ausblick.

Wie so oft zuvor habe ich mich dazu entschlossen, einen freien Tag  in der Rhön zu verbringen. Das Wetter ist in diesem Mittelgebirge zwar absolut unberechenbar, doch die immense Motivvielfalt bietet ja schließlich genügend Ausweichmöglichkeiten. Egal ob weite Landschaften, wildromantische Bachläufe oder der glitzernde Sonnentau, man findet immer genügend Motive, um einen ausgefüllten Tag dort zu verbringen.

Mit einer Gesamtfläche von 243.323 Hektar bietet das Biosphärenreservat Rhön sicherlich mehr Motive, wie in einem Fotografenleben erkundet werden können. Das von der UNESCO im Jahre anerkannte Biosphärenreservat hat vorrangig das Ziel, eine nachhaltige Entwicklung sowie eine Koexistenz von Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe bestmöglich mit Umweltbelangen in Einklang zu bringen.

Die Kleingliedrigkeit und der ständige Wechsel von Habitaten und Landschaftsbestandteilen macht in meinen Augen den besonderen Reiz der Rhön aus.

Lange Rhön und schwarzes Moor

Möchte man sich dieser riesigen Fläche dennoch fotografisch nähern, so ist ein Besuch des Naturschutzgebietes „Lange Rhön“ sicherlich empfehlenswert. Dieses Gebiet liefert ein typisches Bild des strukturreichen, offenen Grünlandes und ermöglicht viele wunderbare Aussichten über die abwechslungsreiche Landschaft. Auch ist das Gebiet durch zahlreiche Wanderwege sehr gut erschlossen.

Die Blüte des Langblättrigen Weidenröschens ist immer wieder aufs Neue beeindruckend, vor allem bei einem solch dramatischen Sonnenaufgang.

Ein Anziehungspunkt innerhalb des Naturschutzgebietes „Lange Rhön“ ist sicherlich das touristisch gut erschlossene und auch fotografisch äußerst interessante Schwarze Moor.

Das ca. 66,4ha große  ist das größte Moor der Rhön und Bestandteil des Schutzgebiet- Systems „Natura 2000“. Der stets nur im geringen Maße stattfindende Torfabbau wurde bereits 1939 verboten, als dieses Hochmoor erstmals unter Naturschutz gestellt wurde. Um eine Zerstörung durch die hohe Besucheranzahl zu verhindern, wurde das Schwarze Moor im Jahr 1976 umzäunt und in diesem Zusammenhang wurden auch erst befestigte Wege errichtet. Elf Jahre später wurde dann der heute begehbare 2,7km lange Bohlensteg angelegt.

Derart fotogene Mooraugen sind im Hochsommer nur nach ergiebigen Regenfällen mit Wasser gefüllt.

Innerhalb dieses Moores sollte man einen genauen Blick auf die Bodenvegetation werfen. Bei genauem Hinsehen kann man hier den wirklich winzigen „rundblättrigen Sonnentau“  (Drosera rotundifolia) entdecken.

Der farbenfrohe Rundblättrige Sonnentau liefert unzählige Möglichkeiten, sich fotografisch auszutoben.

Für mich persönlich ist dieses Moor vor allem zu den frühen Morgenstunden ein wunderbares Fotoziel. Nicht nur dass die Lichtstimmung zum Sonnenaufgang meist durch einen zarten Dunst oder gar dichten Bodennebel nochmals dramatischer wird, auch kann ich so den Bohlensteg verlassen, bevor die meisten Tagestouristen dort eintreffen. Nach einer solchen morgendlichen Fotosession lädt die benachbarte „Infostelle schwarzes Moor“ zum Frühstück ein.

Das zarte Lila des Heidekrautes liefert einem willkommenen Farbkontrast, der Tau auf den Spinnennetzen glitzert im ersten Licht des Tages.

Schlechtes Wetter? – gibt’s nicht!!!

Auch wenn das Wetter nicht mitsplt wie geplant – was in der Rhön durchaus häufig vorkommen kann – finden sich hier immer tolle Motive. Sei es der Moorbirkenwald am Roten Moor, einer der unzähligen kleinen Bäche oder die an manchen Orten anzutreffenden Hutebäume – die Rhön hat für jede Wettersituation etwas zu bieten.

In der Kaskadenschlucht finden sich unzählige kleine Wasserfälle.

Auch das Makroobjektiv sollte immer dabei sein. Nicht nur der Sonnentau, auch die Insektenvielfalt in der Rhön ist beachtlich. Vor allem an schwülen Sommertagen wimmelt es an den Waldrändern nur so von Käfern, Spinnen und Schmetterlingen.

An den Waldrändern finden sich im Hochsommer unzählige Insekten wie beispielsweise dieser Bockkäfer

Beste Jahreszeit

Sonnentau und Langblättriges Weidenröschen blühen ca. von Ende Juli bis Mitte August. Für Bach und Pilze ist der Oktober sicherlich die beste Wahl. Durch die Hochlagen hat man in der Rhön auch Chancen auf „richtigen“ Winter. Aber Vorsicht! Die Hochrhönstraße kann dann unter Umständen gesperrt sein.

Alte Hutebuchen leuchten im letzten Licht des Tages

Weitere Informationen:

Eine Sammlung hervorragender Wanderungen sind die sogenannten „Extratouren des Hochrhöners“. Diese zwanzig Tagestouren rund um den Fernwanderweg  „Hochrhöner“ sind sehr gut ausgearbeitet und bieten dem Naturliebhaber beste Möglichkeiten, die Rhön auf eigene Faust zu erkunden. http://www.rhoentourist.de/hochrhoener-extratouren.html

Eine umfassende Zusammenstellung über die Sehenswürdigkeiten der Rhön findet man unter: https://www.rhoenline.de/