Text & Bilder von Stefan Imig

Heute wird es sehr technisch. Ich werde euch nämlich meinen selbst konfigurierten Bildbearbeitungs-PC vorstellen. Zu weit ins Detail gehen möchte ich jedoch nicht, eher werde ich die grundlegenden Gedanken erläutern, welche ich mir dazu gemacht habe. Dass ich damit nicht ganz falsch gelegen habe, zeigt der Leistungsvergleich am Ende des Artikels.

 

Durch den Umzug ins Taubertal war die komplette Neueinrichtung meines Arbeitszimmers notwendig. Und da mein altes HP-Notebook mittlerweile doch sehr in die Jahre gekommen ist, wurde gleich die Neuanschaffung eines PC mit auf die To-Do Liste gesetzt. Wichtig waren mir dabei vor allem die folgenden Punkte:

 

  • Ausreichend Leistung, damit Adobe Lightroom die nächsten 5 Jahre ohne größeres Aufrüsten angenehm zu bedienen ist.
  • Möglichst lautloser Betrieb bei der Bildbearbeitung.
  • Maximal 3000€ für den PC (ohne Monitor)
  • Monitor mit Abdeckung des sRGB und Adobe RGB Farbraums.

 

Im Anbetracht dieser Eckpfeiler habe ich mich für folgende Komponenten entschieden:

  • CPU (AMD Ryzen 9 3900x, ca. 600€)

Mit zwölf Kernen und einer Taktung von 3800mHz liefert diese CPU Leistung satt. Dies ist auch das erste Mal, dass ich auf eine CPU aus dem Hause AMD setze, bis jetzt habe ich eigentlich immer Intel CPUs bevorzugt. Aber erste Testberichte zeigten, dass der Ryzen 9 gerade für die Bildbearbeitung wohl hervorragend geeignet ist und gleichstarke Produkte der Konkurrenz bedeutend teurer sind. Dies, und die Tatsache, dass es auf dem Markt bereits Mainboards mit PCIe-4 für die AMD CPUs gab, haben mich dann noch überzeugt. Übrigens habe ich mich mit Absicht für eine sogenannte „Tray-Version“ ohne CPU Kühlung entschieden, da dieser Job ohnehin von einer Wasserkühlung übernommen werden soll.

  • CPU Kühlung (Corsair Hydro H115i Pro; ca. 145€)

Diese Wasserkühlung ist mit 2x 140mm Lüftern sehr leistungsstark und zugleich erstaunlich leise – vorausgesetzt, man stellt die Temperaturkurve über die mitgelieferte Software entsprechend ein. Hierbei hat es mich vollkommen überrascht, wie präzise und einfach diese Einstellungen vorgenommen werden können. Erst in höheren Temperaturbereichen dürfen die Lüfter etwas aufdrehen, aber das kommt so gut wie nie vor. Im alltäglichen Betrieb habe ich noch nie die volle Lüfterleistung abrufen müssen.

Die Drehzahlkurve der Wasserkühlung kann sehr einfach und elegant über ein Software im laufenden Betrieb angepasst werden.

 

  • Arbeitsspeicher (Trident Z Neo 64GB, 3600mHZ, CL16; ca. 380€)

Zugegeben, 32GB hätten hier auch vollkommen genügt. Aber die 64GB waren nicht so viel teurer und werden in absehbarer Zukunft sicher nicht aufgerüstet werden müssen. Wichtig war mir ein schnelles Timing, und das bieten diese Speichermodle zu einem akzeptablen Preis.

  • System-SSD (Corsair MP600 1TB; ca. 220€)

Diese Platte ist ausschließlich für das Betriebssystem und die Programme gedacht. Hier werden keine Daten oder Bilder abgespeichert. Stand heute hätten da 500GB sicherlich auch gereicht, aber die 1TB Variante ist nicht so viel teurer. Wichtig war mir, dass diese SSD über den recht neuen Anschluss PCIe-4 läuft. Dies führt nämlich dazu, dass die maximale Datenübertragungsrate ca. 10x schneller ist als bei einer „normalen“ SSD.

Unglaubliche vier Gigabyte pro Sekunde liest und schreibt die interne Festplatte.

 

  • Grafikkarte (ASUS RTX 2070S 8GB; ca. 640€)

Die letzten Updates von Lightroom haben gezeigt, dass die Grafikkarte zunehmend mehr Prozesse übernimmt und somit immer wichtiger wird. Aktuell genügt zur Bildbearbeitung auch (noch) eine kleinere Grafikkarte, um alle Features von Lightroom mit maximaler Unterstützung zu nutzen. Ich vermute jedoch, dass dieses Bauteil zukünftig noch wichtiger wird. Mit dem Nvidia Grafikchip „RTX 2070 Super“ sollte hier in den nächsten 5 Jahren aber kein Update-Bedarf bestehen.

  • Mainboard (ASUS X570-E; ca. 310€)

Beim Mainboard waren mir drei Dine wichtig: Es sollte USB 3.2 mit bis zu 10Gbit/s bieten, dazu noch PCIe-4 und auch die neuesten Netzwerk-Standards. Mit diesen Eckdaten gefiel mir das genannte Board einfach am besten.

  • Gehäuse (be quiet Dark Base Pro900 rev2; ca. 215€)

Gute Schalldämmung, viel Platz und gut zugängliche Bedienelemente bzw. Frontanschlüsse waren mir hierbei wichtig. Das genannte Gehäuse von „be quiet!“ bietet all dies und ist auch hervorragend verarbeitet. Eine Gehäusevariante ohne seitliches Fenster hätte mir noch besser gefallen, aber das gibt es nun mal nicht. Lediglich die Steuerung der drei verbauten Gehäuselüfter fand ich etwas zu laut abgestimmt. Diese Steuerung habe ich umgangen, indem ich nachträglich die Lüfter direkt mit dem Mainboard verbunden habe, was auch die Regel ist, und dadurch dem BIOS die Steuerung der Lüfterdrehzahl überlasse. Aufgrund der immensen Größe des Gehäuses können die Kabel auf jeden Fall sehr ordentlich hinter einer Zwischenwand verlegt werden. Was die Luftzirkulation und die Übersicht angeht, ist dies schon eine sehr gute Lösung.

Die beiden großen Lüfter der Wasserkühlung verschwinden hinter einer gedämmten Fronttür. Wichtige Anschlüsse und der Power-Button sind im 45° Winkel an der Oberseite angeordnet.

 

  • Weitere Komponenten

Als sehr leises Netzteil dient das be quiet Dark Power Pro P11 mit 650W (ca. 165€). Falls doch mal eine DVD gelesen werden muss, wurde Die BluRay Kombi Pioneer BDR-209EBK (ca. 65€) eingebaut und die SSDs zur Datenspeicherung lassen sich schnell und einfach über die Wechselrahmen des ICY DOCK MB324SP-B (ca. 45€) einsetzen und austauschen.

Diese bis hierin aufgelisteten Komponenten habe ich mir von einem Fachhändler zusammenbauen lassen. Inklusive Win10 Pro kostet mich dieses System 3000,65€. Meine Zielvorgabe bezüglich des Preises wurde somit um sage und schreibe 65 Cent überschritten 😉

Datenspeicher

Bis jetzt wurde ja nur die System-SSD des Rechners aufgelistet. Dies liegt einfach daran, dass ich sowohl meine Primär-SSD, also die Festplatte, auf welcher ich arbeite und auf welcher all meine Daten und Bilder abgespeichert sind, als auch meine Sicherungs-Laufwerke aus meinem alten Laptop übernommen habe.

  • Primär SSD extern (Samsung T5 2GB; ca. 325€)

Nach wie vor arbeite ich auf einer externen SSD. Angebunden über USB-C entsteht hier auch kein „Flaschenhals“ in der Datenübertragungsrate – zumindest nicht im Vergleich zu „normalen“ internen SSDs. In der Praxis werden 400MB/s erreicht, was vollkommen genügt. Auf der externen Festplatte zu arbeiten, hat für mich den Vorteil, dass ich immer all meine Daten bei mir habe und sofort weiterarbeiten kann, egal an welchem Rechner ich gerade bin. Auf längeren Reisen ist dies ein immenser Vorteil, denn auch an meinem Notebook kann ich dann reibungslos an Veröffentlichungen oder Ähnlichem weiterarbeiten.

  • Interne SSD zur Sicherung (Samsung EVO 850 2 TB; ca. 290€)

Diese interne SSD wird automatisch mit der externen Festplatte synchronisiert, sobald die externe Festplatte angeschlossen ist. Übrigens mache ich dies mit meinem Notebook genauso. Dadurch habe ich immer eine brandaktuelle Sicherung und eine weitere Sicherung, welche höchstens ein paar Wochen alt ist.

Monitor

Da mein alter EIZO nach sechs Jahren schon so einige Aussetzer zeigt und ich keine Lust mehr auf zwei Monitore hatte, musste auch hier eine neue Lösung her.

  • Dell UP3216Q (ca. 1275€)

Dieser 32-Zoll 4K Monitor bietet eine 100% Abdeckung des sRGB-Farbraums und eine 99,5% Abdeckung des AdobeRGB Farbraums. In Kombination mit einem Xrite i1Display Pro (ca. 225€) kann sogar eine Hardwarekalibrierung, also eine automatische Anpassung der Farben am Monitor und nicht über die Grafikkarte, durchgeführt werden. Im Anbetracht dieser Ausstattung ist der aufgerufene Preis wirklich unschlagbar günstig – solange man alleine an diesem Monitor arbeitet. Denn der einzige Schwachpunkt in meinen Augen ist Farbverschiebung bei seitlicher Betrachtung. Für Fotografen oder Grafiker, die oft in Teams arbeiten, könnte dies zum Problem werden – für mich ist dieser Punkt jedoch vollkommen belanglos. In meinen Augen lässt die Farbdarstellung keine Wünsche offen und durch die hohe Auflösung von 3840x2160 Pixeln bietet sich ein extrem scharfes Bild. Auch sind nun die Regler in Lightroom angenehm klein, aber keineswegs zu klein, und das Bild nimmt dadurch relativ gesehen mehr Platz am Bildschirm ein. Für mich stellt dieser Monitor einen absoluten Preis-Leistungs-Knaller dar.

In Relation zum Bild wirken die Bearbeitungsleisten recht klein. Die Größe der Regler ist in meinen Augen aber perfekt bei diesem 32 Zoll Monitor auf meinem 90cm tiefen Schreibtisch.

Leistungstest & Vergleich

Alle Theorie ist natürlich Schall und Rauch, wenn die Leistung am Ende nun doch keinen spürbaren Zugewinn liefert. Um dies zu ermitteln, habe ich einen neuen Lightroom Katalog mit 50 RAW-Bildern angelegt, die Bilder alle mit identischen Schritten bearbeitet und dann folgende Berechnungen auf verschiedenen Systemen durchführen lassen (natürlich immer in neuen Lightroom Katalogen und immer mit derselben Lightroom-Version):

  1. 1:1 Vorschauen erstellen für 50 bearbeitete Bilder
  2. Exportieren von 50 bearbeiteten Bildern

Die Unterschiede der jeweils benötigten Dauer sind beachtlich, aber schaut selbst:

Die Leistungsunterschiede zu meinem doch bereits in die Jahre gekommenen HP, welches nun ausgemustert wird, und auch zu dem vergleichsweise günstigen Asus sind immens. Dass ich eine deutliche Änderung merken werde, war klar, aber dass dieser Unterschied so heftig ist, hätte ich nicht erwartet. Auch der Vergleich zum MacBook Pro offenbart deutliche Unterschiede. Natürlich ist der Mac ca. ein Jahr älter, aber es ist doch das einzige Notebook, welches in einer vergleichbaren Preisliga mit dem Ryzen spielt.

Die Konfiguration des AMD Ryzen habe ich ja oben ausführlich erläutert, hier noch die Kurz-Spezifikationen der anderen Systeme:

Apple Macbook 15.1 (2018): Intel i9@ 2,9GHZ; 32GB DDR4-RAM; Radeon Pro 560x; SSD

HP zBOOK (2014): Intel i7-4800MQ@ 2,7GHZ, 32GB DDR3-Ram, NVIDIA Quadro K2100M; Samsung 860 EVO SSD

Asus Zenbook UX3410UQ (2017): Intel i7-7500U@ 3,5Ghz; 40GB DDR4-Ram; NVIDIA 940MX; M.2-SSD

 

Auch subjektiv kann man einen deutlichen Leistungszuwachs spüren. Das Einzoomen auf 100% läuft nun ohne Ruckeln, und auch das extrem schnell Durchswitchen durch hunderte Bilder geschieht ohne Verzögerung. Hinzu kommt, dass der PC während des Arbeitens mit Lightroom kaum wahrnehmbar ist.

 

Fazit

Die Investition von knapp 4900€ (PC + Speicher + Monitor)  in solch ein „Werkzeug“ erscheinen doch sehr hoch. Wenn ich nun aber bedenke, dass sich die Kosten mindestens auf die nächsten 5 Jahre verteilen, relativiert sich der Preis wieder.

Viel wichtiger ist mir jedoch, dass das Arbeiten mit einem solchen System wieder bedeutend mehr Spaß macht. Und da ich gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit beinahe täglich mehrere Stunden am PC bin, ist dies das für mich entscheidende Kriterium.